
Elektroinstallation
Elektrik im Altbau erneuern: Wann ist es Pflicht und was kostet es?
Alte Leitungen, zwei Adern statt drei, kein Schutzleiter: In vielen Altbauten steckt eine Elektrik, die aus einer anderen Zeit stammt. Wir zeigen dir, wann eine Erneuerung wirklich nötig wird, welche Schritte dazugehören und mit welchen Kosten du rechnen solltest.
Die Elektrik im Altbau erneuern zu müssen, klingt erst einmal nach viel Aufwand und Dreck. Doch alte Leitungen sind kein Schönheitsproblem, sondern eine Frage der Sicherheit. Viele Häuser aus der Vorkriegszeit und den Jahrzehnten danach haben eine Installation, die den heutigen Anforderungen nicht mehr genügt. Wir erklären dir ruhig und praxisnah, woran du das erkennst und wie du vorgehst.
Warnzeichen einer veralteten Elektrik erkennen
Ob du die Elektrik im Altbau erneuern solltest, verraten dir oft kleine Details. Achte auf zweiadrige Leitungen ohne grün-gelben Schutzleiter, auf schwarze Stoffummantelungen und auf einen Zählerschrank mit runden Schmelzsicherungen zum Herausdrehen. Auch wenn Sicherungen häufig fliegen, Steckdosen warm werden oder du mit Mehrfachsteckern jonglierst, ist das ein deutliches Zeichen.
Ein weiterer Punkt ist die Zahl der Stromkreise. In alten Wohnungen hängt oft eine ganze Etage an einem einzigen Kreis. Moderne Haushalte mit Backofen, Waschmaschine und Ladegerät brauchen deutlich mehr getrennte Leitungen. Fehlt zudem ein Fehlerstromschutzschalter, kurz FI oder RCD, ist das ein wichtiges Argument für eine Erneuerung.
Leitungen ohne Schutzleiter bieten bei einem Defekt keinen sicheren Schutz.
Herausdrehbare Schmelzsicherungen deuten auf einen veralteten Zählerschrank hin.
Ganze Etagen an einem Stromkreis überlasten die alte Installation schnell.
Wann ist es Pflicht, die Elektrik im Altbau zu erneuern?
Eine allgemeine Austauschpflicht allein wegen des Alters gibt es nicht. Solange die Anlage sicher funktioniert und dem Zustand zur Zeit ihres Einbaus entspricht, genießt sie einen gewissen Bestandsschutz. Dieser Schutz endet aber, sobald du eingreifst. Wer eine Wohnung grundlegend renoviert oder Leitungen verändert, muss die betroffenen Teile nach den heute gültigen Normen ausführen lassen.
Zwingend wird ein Eingriff außerdem, wenn eine erkennbare Gefahr besteht, etwa freiliegende Adern, beschädigte Isolierungen oder ein fehlender Schutzleiter an Stellen mit Wasser. Auch bei einem Eigentümerwechsel oder bei Vermietung trägst du Verantwortung für einen sicheren Zustand. Ein Elektriker prüft die Anlage und dokumentiert den Befund in einem Prüfprotokoll.
Ablauf: So läuft die Erneuerung Schritt für Schritt
Am Anfang steht die Planung. Gemeinsam mit dem Elektriker legst du fest, wo Steckdosen, Schalter und Anschlüsse sitzen sollen. Denk dabei großzügig, denn nachträgliche Ergänzungen sind teuer. Danach werden Schlitze in die Wände gefräst, neue Leerrohre und Leitungen verlegt und ein moderner Zählerschrank mit FI-Schaltern und Automaten gesetzt.
Nach dem Verlegen folgt der Anschluss der Geräte, dann die Messung und Abnahme. Erst wenn alle Werte stimmen, wird die Anlage in Betrieb genommen. Anschließend werden die Schlitze verputzt und die Wände sind bereit zum Streichen. Plane die Elektrik deshalb früh in der Reihenfolge deiner Renovierung ein, denn sie gehört zu den ersten Gewerken.
| Schritt | Inhalt | Wer |
|---|---|---|
| Planung | Steckdosen, Schalter, Stromkreise festlegen | Du und Elektriker |
| Rohinstallation | Schlitze fräsen, Leitungen und Rohre verlegen | Elektriker |
| Verteilung | Neuer Zählerschrank mit FI und Automaten | Elektriker |
| Abnahme | Messung, Prüfprotokoll, Inbetriebnahme | Elektriker |
Was kostet es, die Elektrik im Altbau zu erneuern?
Die Kosten hängen stark von der Größe, dem Zustand und deinen Wünschen ab. Als grobe Orientierung kannst du für eine komplette Erneuerung mit etwa 80 bis 130 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche rechnen. Eine Wohnung mit 80 Quadratmetern landet damit oft zwischen 8.000 und 12.000 Euro, inklusive Material, Zählerschrank und Arbeit.
Rechnest du lieber pro Raum, hilft dir die Tabelle unten. Sie zeigt typische Spannen, die je nach Region und Ausstattung schwanken. Denk daran, dass Putz- und Malerarbeiten nach dem Schlitzen zusätzlich anfallen. Weitere Zahlen findest du in unserem Überblick zu den Kosten einer Altbausanierung.
| Bereich | Umfang | Kosten (grob) |
|---|---|---|
| Zimmer | Steckdosen, Schalter, Leitungen | 800 bis 1.500 Euro |
| Küche | Mehrere Kreise, Herdanschluss | 1.500 bis 3.000 Euro |
| Bad | FI-Schutz, feuchtraumgerecht | 1.200 bis 2.500 Euro |
| Zählerschrank | Neue Verteilung mit FI | 1.500 bis 3.000 Euro |
So sparst du sinnvoll, ohne bei Sicherheit nachzugeben
Sparen kannst du vor allem durch gute Planung und die richtige Reihenfolge. Wenn ohnehin Wände offen sind, ist der Aufwand fürs Verlegen kleiner. Eigenleistung ist beim reinen Stemmen und beim späteren Verputzen möglich, der Anschluss selbst gehört jedoch in Fachhände. Das schreibt die Sicherheit vor und schützt dich im Schadensfall.
Hol dir mehrere Angebote ein und vergleiche nicht nur den Preis, sondern auch den Leistungsumfang. Verbrauchernahe Informationen zu Handwerkerleistungen bündelt die Verbraucherzentrale. Achte darauf, dass die Anlage nach der Erneuerung genug Reserven bietet, damit du in den nächsten Jahren nicht erneut aufreißen musst.
Häufige Fragen
Muss ich die Elektrik erneuern, wenn ich nur streiche?
Wie lange dauert die Erneuerung einer Wohnung?
Kann ich einzelne Räume nacheinander machen?
Woran erkenne ich, dass ein Schutzleiter fehlt?
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