
Ablauf & Planung
Tragende Wand entfernen: Ablauf, Genehmigung, Kosten
Der offene Wohnraum ist der häufigste Wunsch bei Altbausanierungen – und der Eingriff mit dem größten Schadenspotenzial. Eine tragende Wand hält nicht nur die Decke darüber, sie leitet Lasten aus allen darüber liegenden Geschossen bis ins Fundament. Wer sie ohne Nachweis entfernt, gefährdet das gesamte Gebäude.
Woran du tragende Wände erkennst
- Wandstärke: Ab 11,5 Zentimetern gemauert ist Vorsicht geboten, ab 17,5 Zentimetern fast immer tragend. Leichte Trennwände sind meist 6 bis 10 Zentimeter dick.
- Klopfprobe: Hohl klingt nach Ständerwerk, massiv nach Mauerwerk – ein Indiz, kein Beweis.
- Verlauf über Geschosse: Steht die Wand im Keller, im Erdgeschoss und im Obergeschoss an derselben Stelle, trägt sie.
- Deckenspannrichtung: Wände quer zur Spannrichtung der Decke tragen, Wände parallel dazu oft nicht.
- Außen- und Mittelwände sind praktisch immer tragend, ebenso Wände an Treppenhäusern.
Die einzige verlässliche Auskunft steht im Bauplan oder kommt vom Tragwerksplaner. Baupläne liegen beim Bauamt im Archiv und lassen sich gegen eine kleine Gebühr einsehen.
Der Ablauf
- Bestand klären: Baupläne besorgen, Wand freilegen, Aufbau feststellen.
- Statiker beauftragen. Er berechnet die Lasten, dimensioniert den Träger und liefert den prüffähigen Nachweis. Kosten meist 600 bis 1.800 Euro.
- Genehmigung oder Anzeige bei der Bauaufsicht, je nach Landesbauordnung. In Wohnungseigentum kommt ein Beschluss der Eigentümergemeinschaft hinzu, weil tragende Bauteile Gemeinschaftseigentum sind.
- Abstützen: Vor dem ersten Schlag wird die Decke mit Baustützen und Jochträgern gesichert.
- Auflager herstellen und Träger einbauen – meist ein Stahlträger, seltener Stahlbeton.
- Wand entfernen, Träger verkeilen und kraftschlüssig unterfüttern.
- Brandschutz herstellen: Stahlträger müssen je nach Anforderung bekleidet werden, etwa mit Gipskartonplatten oder Brandschutzputz.
- Verputzen und Abnahme mit Dokumentation.
Kostenrahmen
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Statik und Nachweis | 600 bis 1.800 Euro |
| Genehmigung und Gebühren | 150 bis 600 Euro |
| Abstützung und Durchbruch | 1.200 bis 3.000 Euro |
| Stahlträger inkl. Einbau | 800 bis 2.500 Euro |
| Brandschutzbekleidung, Putz, Malerarbeiten | 500 bis 1.500 Euro |
Wenn du es nicht machst
Manchmal ist die kleinere Lösung die bessere: ein breiter Durchgang statt vollständiger Öffnung, ein Sturz über zwei Meter statt über vier, oder eine Öffnung in einer nicht tragenden Wand an anderer Stelle. Der Preisunterschied ist erheblich, und die statische Eingriffstiefe sinkt deutlich.
Und ein Punkt für Mieter: Ein solcher Eingriff ist ohne schriftliche Zustimmung des Eigentümers ausgeschlossen. Auch als Eigentümer im Mehrfamilienhaus gilt: erst Beschluss, dann Bauantrag, dann Bagger.
Woran erkenne ich eine tragende Wand?
Indizien sind eine Wandstärke ab etwa 11,5 Zentimetern, ein massiver Klang beim Klopfen, ein Verlauf über mehrere Geschosse in gleicher Position und die Lage quer zur Deckenspannrichtung. Sicherheit gibt aber nur der Blick in den Bauplan oder der Statiker.
Brauche ich eine Genehmigung?
In der Regel ja. Eingriffe in tragende Bauteile sind in den meisten Landesbauordnungen anzeige- oder genehmigungspflichtig, oft mit Nachweis durch einen bauvorlageberechtigten Planer. Ohne Genehmigung riskierst du eine Nutzungsuntersagung und Probleme mit der Gebäudeversicherung.
Was kostet ein Wanddurchbruch?
Mit Statik, Stahlträger, Abstützung, Durchbruch und Verputzen liegen die meisten Projekte bei 3.000 bis 8.000 Euro je Öffnung. Größere Spannweiten und Eingriffe über mehrere Geschosse liegen deutlich darüber.
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Titelbild: KI-generiert.