Altbautüren

Türzarge im Altbau erneuern: Umfassungs- oder Blockzarge?

Wer eine Türzarge im Altbau erneuern will, entscheidet sich fast immer zwischen der schlanken Blockzarge und der umfassenden Zarge, die die Laibung verkleidet. Die Wandstärke und der Zustand der Laibung geben die Antwort vor, nicht der Geschmack.

Kurz gefasst

Blockzarge zeigt die Laibung und passt zum historischen Bild. Umfassungszarge deckt Schäden ab, braucht aber ein Modell für 30 bis 45 Zentimeter Wandstärke.

Die kurze Antwort: Ist die Laibung gerade und der Putz in Ordnung, nimm eine Blockzarge. Sie ist die historisch richtige Lösung, verdeckt nichts und lässt die Wandstärke sichtbar. Ist die Laibung ausgebrochen, schief oder mehrfach überarbeitet, deckt eine Umfassungszarge den Schaden sauber ab. Beide gibt es für die im Altbau üblichen 30 bis 45 Zentimeter Wandstärke, allerdings meist nur als Sonderanfertigung. Rechne pro Tür mit 250 bis 700 Euro Material und 200 bis 500 Euro Montage.
30-45 cm

typische Wandstärke im Altbau, Standardzargen enden bei 30

250-700 €

Material je Zarge, je nach Ausführung und Übertiefe

3-6 h

Montagezeit je Tür beim Tischler, inklusive Ausbau

Blockzarge, Umfassungszarge, Renovierungszarge: was passt?

Die drei Bauarten unterscheiden sich darin, wie viel von der Wand sie verdecken. Das ist im Altbau die entscheidende Frage, weil die Laibungen dort oft 30 Zentimeter und mehr tief sind.

ZargenartSo sieht sie ausPasst beiMaterial je Tür
Blockzargeschmaler Rahmen bündig in der Laibung, Putz bleibt sichtbargerader, intakter Laibung und historischem Anspruch250 bis 550 Euro
Umfassungszargeumschließt die Laibung mit Bekleidung auf beiden Seitenbeschädigter oder schiefer Laibung200 bis 600 Euro
Renovierungszargewird über die alte Zarge geschobenintakter Altzarge, die nur optisch stört150 bis 400 Euro
Historische Zarge aufgearbeitetOriginal bleibt, Oberfläche und Falz werden erneuertDenkmal und Stuckräumen150 bis 400 Euro Arbeit

Die Renovierungszarge ist verlockend, hat im Altbau aber einen Haken. Sie baut auf beiden Seiten auf und macht die lichte Öffnung schmaler. Bei ohnehin knappen Durchgängen von 70 oder 75 Zentimetern kann das stören, besonders bei Kellertreppen und Bädern.

Wie misst du übertiefe Wände und schiefe Laibungen richtig?

Miss die Wandstärke an mindestens sechs Punkten: oben links, oben rechts, mittig auf beiden Seiten, unten links, unten rechts. Altbauwände laufen häufig um ein bis drei Zentimeter auseinander. Bestellt wird nach dem größten Maß, den Rest gleicht die Montage aus.

Die Breite und Höhe der Öffnung misst du ebenfalls dreifach. Dazu prüfst du mit einer langen Wasserwaage, ob die Laibung im Lot steht, und mit dem Diagonalmaß, ob die Öffnung rechtwinklig ist. Weichen die Diagonalen um mehr als einen Zentimeter ab, brauchst du eine Zarge mit ausreichend Spiel.

Häufig übersehen: Der fertige Fußbodenaufbau muss vor der Bestellung feststehen. Kommt später noch Trittschalldämmung und Parkett dazu, schleift die Tür. Plane die Höhe ab Oberkante Fertigfußboden, nicht ab Rohdecke.

Wie baust du die alte Zarge aus, ohne die Laibung zu zerstören?

Der Ausbau entscheidet über die halbe Arbeit danach. Alte Zargen sind meist mit Zargenspreizen, Nägeln in Holzklötzen oder mit Gips befestigt. Wer sie mit Gewalt herauszieht, reißt den Putz auf und muss die Laibung neu aufbauen.

  1. Türblatt aushängen und Beschläge abnehmen.
  2. Bekleidung lösen. Sie ist oft nur genagelt oder gesteckt. Mit einem dünnen Spachtel hinterfahren, nicht hebeln.
  3. Befestigung suchen. Ein Magnet findet Nägel und Schrauben unter der Farbe.
  4. Zarge durchtrennen. Zwei Schnitte im Rahmen entspannen die Konstruktion, dann lässt sich das Holz stückweise herausnehmen.
  5. Schaum und Gips entfernen, Reste mit dem Multitool abtrennen statt herausreißen.
  6. Laibung prüfen. Lose Putzkanten abschlagen, mit Kalkmörtel neu ansetzen und trocknen lassen.

Bleibt beim Ausbau Putz an der Zarge hängen, ist das kein Drama. Wie du die Kanten wieder sauber schließt, steht im Ratgeber zum Kalkputz im Altbau.

Wann ist die Aufarbeitung der historischen Zarge besser?

In Altbauten aus der Zeit vor 1918 gehören Zarge, Türblatt und Profilrahmen zusammen. Wird nur die Zarge getauscht, passt das Profil oft nicht mehr zum Rest des Raums. Das fällt besonders in Zimmern mit Stuck sofort auf.

Eine Aufarbeitung ist meistens möglich: Falz nacharbeiten, Fehlstellen mit Holz ausspänen, Bänder erneuern, Oberfläche abbeizen und neu streichen. Der Aufwand liegt bei 150 bis 400 Euro je Tür, deutlich unter einer maßgefertigten neuen Zarge. Wie das Abbeizen abläuft, beschreibt der Ratgeber zum Abbeizen alter Türen.

Steht das Haus unter Denkmalschutz, ist der Austausch ohnehin genehmigungspflichtig. Die Behörde verlangt in der Regel den Erhalt, solange die Substanz tragfähig ist.

Wie schließt du an Kalkputz, Lehmputz und Stuck an?

Neue Zargen werden heute meist mit Montageschaum gesetzt. An diffusionsoffenen Putzen ist das keine gute Kombination. Der Schaum sperrt, und an der Grenze zwischen Schaum und Putz reißt die Oberfläche später auf.

Besser sind Zargenanker oder verschraubte Justierdübel plus eine Hinterfüllung mit Kalkmörtel oder Lehm. Das bleibt reparabel und arbeitet mit der Wand. An Lehmwänden ist es ohnehin die einzige saubere Lösung, denn Lehm nimmt Feuchte auf und gibt sie wieder ab.

Läuft ein Stuckprofil bis an die Türöffnung, muss die Bekleidung darunter enden oder das Profil sauber abgesetzt werden. Diese Anpassung kostet Zeit und wird bei Pauschalangeboten gerne vergessen. Frag sie ausdrücklich ab.

Was kostet eine neue Türzarge im Altbau?

PositionEigenleistungTischler
Ausbau der alten Zarge0 Euro, 2 bis 3 Stunden80 bis 180 Euro
Blockzarge in Übertiefe, lackiert250 bis 550 Euro Materialplus 200 bis 400 Euro Montage
Umfassungszarge bis 45 cm200 bis 600 Euro Materialplus 180 bis 380 Euro Montage
Laibung ausbessern und verputzen30 bis 80 Euro Material120 bis 300 Euro
Türblatt anpassen und einhängen0 Euro, 1 Stunde60 bis 150 Euro

In Eigenleistung ist der Ausbau gut machbar, die Montage der Zarge dagegen anspruchsvoll. Sie muss lotrecht, im Winkel und ohne Verzug sitzen, sonst schließt die Tür nie richtig. Bei sehr breiten Öffnungen über einem Meter und bei tragenden Wänden gehört zusätzlich geprüft, ob der Sturz in Ordnung ist. Zeigen sich dort Risse oder abgesackte Kanten, ist das ein Fall für einen Statiker und nicht für die Zargenmontage. Eine Einordnung dazu gibt der Ratgeber zum Ablauf einer Altbaurenovierung. Unabhängige Hinweise zu Handwerkerverträgen und Abnahme findest du bei der Verbraucherzentrale.

Welche Zarge passt bei 38 Zentimeter Wandstärke?

Beide Bauarten sind möglich, aber nur als Sonderanfertigung. Standardzargen enden meist bei 30 Zentimetern. Blockzargen wirken bei dieser Tiefe ruhiger, Umfassungszargen decken beschädigte Laibungen besser ab.

Kann ich die Zarge selbst einbauen?

Der Ausbau ja, die Montage nur mit Erfahrung. Die Zarge muss lotrecht und rechtwinklig sitzen. Schon zwei Millimeter Verzug führen dazu, dass die Tür von selbst aufgeht oder klemmt.

Was kostet eine Zarge für den Altbau?

Material 250 bis 700 Euro je nach Tiefe und Oberfläche, Montage beim Tischler zusätzlich 200 bis 500 Euro. Ausbessern der Laibung und Anpassen des Türblatts kommen gegebenenfalls dazu.

Ist Montageschaum an alten Wänden erlaubt?

Technisch möglich, aber bei Kalk- und Lehmputz keine gute Wahl. Er sperrt die Wand ab und reißt an den Rändern auf. Besser sind Zargenanker mit Kalkmörtel hinterfüllt.

Darf ich im Denkmal die Zarge tauschen?

Nur mit Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde. Ist die alte Zarge tragfähig, verlangt sie in der Regel die Aufarbeitung. Ein Austausch wird meist nur bei echten Schäden bewilligt.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Preise sind Erfahrungswerte ohne Gewähr, regional gibt es deutliche Unterschiede.

Weitere Themen aus „Altbautüren“

Passende Nachbarthemen