
Wände & Putz
Bleirohre im Altbau: Erkennen, prüfen, austauschen
In Gebäuden, die vor 1973 errichtet wurden, sind Bleileitungen möglich – in Norddeutschland deutlich häufiger als im Süden, wo sie schon früher unüblich waren. Das Problem ist nicht theoretisch: Blei geht ins stehende Wasser über, besonders bei weichem Wasser und langen Standzeiten.
So erkennst du eine Bleileitung
- Farbe: mattgrau, ohne Glanz, oft leicht fleckig.
- Kratzprobe: Mit einem Schlüssel oder Schraubenzieher leicht über das Rohr ziehen. Blei ist so weich, dass die Kratzstelle sofort silbrig glänzt. Verzinkter Stahl bleibt matt und lässt sich kaum ritzen.
- Verlegung: Bleirohre wurden in weichen Bögen verlegt, nicht mit Winkelstücken. Verbindungen sind dicke, wulstige Lötstellen.
- Klopfprobe: dumpfer Klang statt hellem Ton.
- Magnet: Blei ist nicht magnetisch – verzinkter Stahl schon. Das schließt Stahl aus, unterscheidet aber nicht von Kupfer.
Sichtbar sind Leitungen meist im Keller, an der Wasseruhr und in alten Bädern. Unterputzstrecken lassen sich nur beim Öffnen beurteilen.
Was der Grenzwert bedeutet
Die Trinkwasserverordnung setzt einen sehr niedrigen Bleigrenzwert an, der mit Bleileitungen praktisch nicht dauerhaft einzuhalten ist. Deshalb gilt: Bleileitungen im Trinkwasserbereich sind zu ersetzen, nicht zu überwachen. Besonders empfindlich sind Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere – für sie sollte Wasser aus einer verdächtigen Leitung gar nicht verwendet werden, bis die Analyse vorliegt.
Pflichten und Rechte
- Vermieter müssen informieren, wenn Bleileitungen vorhanden sind, und sind für den Austausch verantwortlich.
- Mieter können den Austausch verlangen und bei überschrittenem Grenzwert die Miete mindern; die Wohnung ist insoweit mangelhaft.
- Das Gesundheitsamt ist die richtige Adresse, wenn ein Vermieter nicht reagiert – es kann Anordnungen treffen.
- Beim Hauskauf gilt: Frag ausdrücklich nach dem Leitungsmaterial und lass es dir schriftlich geben. Ein verschwiegener Bleibestand kann arglistiges Verschweigen sein.
Austausch: Ablauf und Kosten
| Posten | Kosten |
|---|---|
| Wasseranalyse | 30 bis 70 Euro |
| Neue Leitung je laufendem Meter | 60 bis 120 Euro |
| Strangsanierung Mehrfamilienhaus je Wohnung | 3.000 bis 8.000 Euro |
| Stemm-, Putz- und Malerarbeiten | je nach Verlauf zusätzlich |
Im Einfamilienhaus lässt sich die Hauptleitung oft mit überschaubarem Aufwand ersetzen, weil sie im Keller frei liegt. Teuer wird es bei Steigleitungen in Wänden. Sinnvoll ist deshalb, den Austausch mit einer ohnehin geplanten Bad- oder Küchensanierung zu koppeln – dann sind Wände ohnehin offen.
Bis zum Austausch hilft eine einfache Regel: Wasser, das über Nacht in der Leitung stand, nicht zum Trinken oder Kochen verwenden, sondern erst ablaufen lassen, bis es merklich kühler wird. Das ersetzt keine Sanierung, senkt die Belastung aber deutlich.
Wie erkenne ich ein Bleirohr?
Blei ist mattgrau, sehr weich und lässt sich mit dem Fingernagel oder einem Schlüssel ritzen – die Kratzstelle glänzt silbrig. Bleirohre sind außerdem oft in weichen Bögen verlegt und mit dicken, wulstigen Lötstellen verbunden statt mit Gewinden.
Sind Bleileitungen noch erlaubt?
Nein. Für Trinkwasser sind Bleileitungen nach der Trinkwasserverordnung nicht mehr zulässig; der geltende Grenzwert lässt sich mit ihnen dauerhaft nicht einhalten. Vorhandene Leitungen müssen ersetzt werden.
Wer trägt die Kosten in einer Mietwohnung?
Der Vermieter. Die Leitung gehört zur Bausubstanz, und die Bereitstellung einwandfreien Trinkwassers ist Teil der Mietsache. Vermieter sind zudem verpflichtet, Mieter über Bleileitungen zu informieren.
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Titelbild: KI-generiert.