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Holzfaser-Innendämmung im Altbau: Aufbau, Kosten, Risiken

Eine Holzfaser-Innendämmung im Altbau dämmt deutlich besser als mineralische Platten und bleibt trotzdem feuchtetolerant. Sie funktioniert aber nur als geschlossenes System mit Lehm- oder Kalkputz und ohne Hohlräume.

Kurz gefasst

Kapillaraktive Holzfaserplatten plus Lehm- oder Kalkputz sind im Altbau bewährt. Ab etwa sechs Zentimetern Stärke gehört eine Feuchteberechnung dazu.

Die kurze Antwort: Für die Holzfaser-Innendämmung im Altbau werden spezielle kapillaraktive Holzfaserplatten vollflächig auf die Außenwand geklebt und mit Lehm- oder Kalkputz verputzt. Eine Dampfbremse entfällt. Übliche Stärken liegen bei 40 bis 80 Millimetern. Eingebaut kostet das meist 90 bis 170 Euro je Quadratmeter. Voraussetzung ist eine trockene Wand ohne Schlagregenprobleme und ein Fachplaner, der die Feuchte nachrechnet.
0,04-0,05

typische Wärmeleitfähigkeit in W/(m·K) je nach Platte

40-80 mm

übliche Dämmstärke im Altbau ohne Dampfbremse

90-170 €

je m² eingebaut mit Putz und Laibungen, Stand 2026

Wie ist eine Holzfaser-Innendämmung aufgebaut?

Das System besteht aus vier Schichten. Auf die vorbereitete Altbauwand kommt ein mineralischer Kleber oder Lehmmörtel, der Unebenheiten ausgleicht und vollflächigen Kontakt herstellt. Darauf folgt die Holzfaserplatte. Sie wird zusätzlich mit Tellerdübeln gesichert. Außen, also zur Raumseite, liegen ein Armierungsputz mit Gewebe und ein Oberputz aus Lehm oder Kalk.

Wichtig ist die Wahl der Platte. Für die Innendämmung eignen sich nur Holzfaserplatten, die der Hersteller ausdrücklich dafür freigibt. Sie haben eine Struktur, die Feuchtigkeit kapillar zur Raumseite zurückleitet. Normale Holzfaserplatten für Dach oder Fassade verhalten sich anders und gehören nicht an die Innenseite der Außenwand.

Die Grundlagen jeder Innendämmung, von der Wärmebrücke bis zum Tauwasser, erklärt der Ratgeber zur Innendämmung im Altbau. Einen Überblick über alle Dämmwege im Altbau findest du im Beitrag Altbau dämmen.

Holzfaser oder Kalziumsilikat?

Beide Systeme arbeiten ohne Dampfbremse und nehmen Feuchtigkeit auf. Der Unterschied liegt vor allem in der Dämmwirkung und im Umgang mit Nässe.

KriteriumHolzfaser, kapillaraktivKalziumsilikat
Wärmeleitfähigkeit etwa0,04 bis 0,050,05 bis 0,07
Stärke für gleiche Wirkunggeringerrund ein Drittel mehr
Schimmelhemmung der Oberflächegut, über den Putzsehr gut, stark alkalisch
Empfindlichkeit gegen Nässehöher, Holz darf nicht dauerhaft nass seingering
Putz nötigja, Lehm oder Kalknein, Farbe reicht
Kosten eingebaut je m²90 bis 170 Euro70 bis 150 Euro

Holzfaser lohnt sich, wenn ganze Räume gedämmt werden und die Wand trocken ist. Kalziumsilikat ist stärker bei Problemstellen, in Bädern und bei knapper Aufbauhöhe. Mehr dazu steht im Beitrag zu Kalziumsilikatplatten als Innendämmung.

Wie dick darf die Dämmung sein?

Je dicker die Innendämmung, desto kälter wird die Wand dahinter. Damit steigt das Risiko, dass sich im Übergang zwischen Wand und Dämmung Feuchtigkeit sammelt. Deshalb gilt im Altbau nicht einfach, dass mehr besser ist.

Bei Vollziegelwänden sind 40 bis 60 Millimeter in vielen Fällen ohne größeren Aufwand planbar. Darüber hinaus erstellen Fachplaner eine hygrothermische Simulation. Sie rechnet für das konkrete Klima und die konkrete Wand, wie sich Temperatur und Feuchte über Jahre entwickeln. Diese Berechnung kostet meist einige Hundert Euro und schützt vor teuren Folgeschäden.

Besonders sorgfältig geprüft werden Wände, in denen Holzbalken aufliegen. Die Balkenköpfe liegen nach der Dämmung in einer kälteren Zone. Welche Folgen das haben kann, beschreibt der Ratgeber zum Sanieren von Balkenköpfen.

Welche Voraussetzungen muss die Wand erfüllen?

Die Außenwand muss trocken sein. Schlagregen, aufsteigende Feuchtigkeit oder undichte Anschlüsse musst du vorher beheben. Holz verträgt kurzzeitige Feuchte gut, dauerhafte Nässe aber nicht. Mit einer Messung vor Beginn gehst du auf Nummer sicher. Wie das funktioniert, zeigt der Beitrag zum Messen von Feuchtigkeit in der Wand.

Auch die Fassade zählt. Rissiger Außenputz, offene Fugen im Sichtmauerwerk oder dichte Kunststofffarben lassen Wasser eindringen oder halten es in der Wand fest. Ein Maler oder Fassadenbauer beurteilt, ob die Außenseite vorher instand gesetzt werden muss. Wann eine Außendämmung die bessere Wahl ist, zeigt der Ratgeber zur Fassadendämmung im Altbau.

Warnzeichen: Salzausblühungen, abplatzender Putz im Sockelbereich oder dunkle Feuchteränder an der Außenwand sprechen gegen eine sofortige Innendämmung. Erst Ursache und Trocknung, dann Dämmung. Sonst schließt du die Feuchtigkeit hinter der Holzfaser ein.

Wie läuft die Verarbeitung ab?

Zuerst werden Tapete, Dispersionsfarbe und lose Putzstellen entfernt. Gips- und Kunstharzputze kommen möglichst vollständig herunter, weil sie den Feuchtetransport stören. Grobe Unebenheiten gleichst du mit Kalk- oder Lehmputz aus.

Die Platten werden vollflächig im Kleberbett verlegt, also ohne Punkte oder Streifen. Stoßfugen versetzt du wie beim Mauern. Nach dem Abbinden folgen Tellerdübel, dann Armierungsputz mit eingebettetem Gewebe und schließlich der Oberputz. Zwischen den Lagen brauchst du Trocknungszeiten, die je nach Putz mehrere Tage dauern können.

Fensterlaibungen und einbindende Innenwände werden mit dünnen Laibungsplatten oder Dämmkeilen angeschlossen. Hier entstehen sonst Wärmebrücken, an denen Schimmel auftritt. Für die Oberfläche passt ein Lehmputz besonders gut. Warum, erklärt der Beitrag zu Lehmputz innen im Altbau.

Elektrodosen, Heizkörper und Fensterbänke rücken um die Dämmstärke nach vorn. Plane diese Arbeiten vor Beginn ein. Die Elektrik setzt eine Elektrofachkraft um.

Was kostet die Holzfaser-Innendämmung?

Das Material kostet je nach Stärke etwa 35 bis 75 Euro je Quadratmeter, inklusive Kleber, Dübel und Putz. Vom Fachbetrieb eingebaut liegst du meist bei 90 bis 170 Euro je Quadratmeter. Viele Laibungen, Ecken und ein aufwendiger Untergrund treiben den Preis nach oben. Eine Feuchteberechnung kommt bei dickeren Aufbauten hinzu.

Für Innendämmung gibt es grundsätzlich Förderprogramme, deren Bedingungen sich regelmäßig ändern. Prüfe den aktuellen Stand vor der Auftragsvergabe, etwa mit einem Energieberater. Einen Überblick gibt der Ratgeber zur Förderung der Altbausanierung. Typische Planungsfehler fasst der Beitrag zu Fehlern bei der energetischen Sanierung zusammen.

Braucht Holzfaser-Innendämmung eine Dampfbremse?

Nicht bei kapillaraktiven Holzfaserplatten, die für die Innendämmung freigegeben sind. Sie leiten Feuchtigkeit zur Raumseite zurück. Eine Dampfbremse würde diesen Mechanismus stören und ist dort nicht vorgesehen.

Wie dick sollte die Holzfaser innen sein?

Im Altbau meist 40 bis 80 Millimeter. Bis etwa 60 Millimeter ist das häufig unkritisch. Bei dickeren Aufbauten rechnet ein Fachplaner die Feuchte über eine Simulation nach.

Kann ich Holzfaser innen mit Gipsputz verputzen?

Besser nicht. Gipsputz nimmt Feuchtigkeit schlecht auf und verträgt sie auf Dauer nicht gut. Empfohlen werden Lehm- oder Kalkputze, die zum System des Plattenherstellers passen.

Ist Holzfaser innen im Bad geeignet?

Im Spritzwasserbereich nicht. Dort ist Kalziumsilikat robuster. An Badwänden außerhalb der Dusche kann Holzfaser funktionieren, wenn gut gelüftet wird und der Hersteller es freigibt.

Was kostet Holzfaser-Innendämmung pro Quadratmeter?

Eingebaut meist 90 bis 170 Euro, Stand 2026. Das Material mit Kleber und Putz kostet etwa 35 bis 75 Euro je Quadratmeter, abhängig von Stärke und Hersteller.

Zuletzt aktualisiert: September 2026 · Preise und Kennwerte sind Erfahrungs- und Herstellerspannen ohne Gewähr. Förderbedingungen vor Antragstellung prüfen.

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